FHV Galerie

Bibliotheken beherbergen als Wissensspeicher das Schrifttum der Vergangenheit und Gegenwart, sie sind aber auch Orte der Kommunikation, der Begegnung, des Austauschs. In diesem Sinne wurde 2010 die FHV Galerie ins Leben gerufen.
Wir freuen uns, die erfolgreiche Ausstellungstätigkeit der FHV Galerie im Jahre 2012 mit renommierten internationalen Künstlern fortsetzen zu können. Unter dem Thema „Grenzräume – Verortungen in der Fotografie“ bieten wir vielfältige und auch kontroverse Ansätze aus der zeitgenössischen Fotografie. Die hier vorgestellten „Grenzräume“ geben Einblicke in die unterschiedlichen Erfahrungswelten der ausgewählten Autorenfotografen. Sie nehmen uns mit auf eine Bilder-Reise an die Grenzorte von Vergangenem und Kommendem, zeigen uns innere und äußere Landschaften, vermitteln Fremdes und Vertrautes.
Wir wünschen uns weiterhin ein so positives Echo sowie eine breite Aufnahme durch das Publikum und hoffen, die Fotografie-Szene zu beleben.

Weiterführende Informationen:
http://www.fhv.at/bibliothek/fhv-galerie/fhv-galerie

iTunes U – FHV Galerie


FHV Galerie, Dornbirn, AT, 18.10.2016 - 20.01.2017

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Die Fotografin Andrea Diefenbach zeigt uns in bemerkenswerten Bildern Migrationsbewegungen in Europa.

Sie schreibt über ihr in der Republik Moldau realsisiertes Projekt: „Als ich im April 2008 in der ersten Klasse der Schule eines kleinen Dorfs im Südosten der Republik Moldau stand, wo die Lehrerin fragte, ‚Wessen Eltern leben in Italien?’ und etwa zwei Drittel der Kinder mit einer Mischung aus Stolz und Verlegenheit aufzeigten, war ich erschrocken. Es ist etwas völlig anderes, all die Statistiken über Arbeitsmigranten und Rücküberweisungen zu lesen, als in einem kalten Klassenraum vor 30 Sechsjährigen mit Wollmützen zu stehen und zu wissen, diese Kinder haben ihre Eltern oft seit Jahren nicht gesehen, weil diese 2.000 km entfernt als Putzfrau oder Erntehelfer arbeiten.”

Die Republik Moldau ist ein armes Land; es gibt Statistiken, diebesagen, dass es das ärmste Land Europas sei. Das war nicht immer so. Bis zur Unabhängigkeit Anfang der 1990er-Jahre war Moldau eine der wohlhabendsten Sowjetrepubliken. Doch seitdem hat sich die wirtschaftliche Lage drastisch verschlechtert. Der durchschnittliche Monatslohn beläuft sich auf rund 110 Euro, und 40 % der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Wer kann, versucht seine Situation zu verbessern und außerhalb des Landes Arbeit zu finden. Laut amtlichen Schätzungen lebt und arbeitet mindestens ein Viertel der 4,3 Millionen Moldauer und Moldauerinnen im Ausland. NGOs meinen, dass die Zahl eine Million übersteigt. Es gibt kaum eine Familie, in der nicht mindestens ein Elternteil im Ausland arbeitet. In der Regel bleiben die Kinder zurück und wachsen bei Verwandten, Bekannten oder auch ganz alleine auf. Da die meisten Eltern illegal das Land verlassen, sehen sich Kinder und Eltern häufig jahrelang nicht.

Andrea Diefenbach hat diese geteilten Familien begleitet. Die Kinder in der Republik Moldau und ihre Eltern, die meist illegal in Italien leben, dem Land im Westen, in das die meisten Moldauerinnen und Moldauer emigrierten. Für ihre kritischen und empathischen Reflexionen sozialer Zu- und Missstände wurde Andrea Diefenbach bereits vielfach (u.a. Abisag Tüllmann Preis 2013 und n-ost-Reportagepreis 2012) ausgezeichnet.

Seit 2013 lehrt sie Fotografie an der Hochschule Darmstadt im Fachbereich Gestaltung und seit 2015 an der Fachhochschule Bielefeld.

Sie lebt mit Mann und Sohn in Wiesbaden.

Vortrag der Künstlerin mit anschließender Eröffnung der Ausstellung
18. Oktober 2016, 19.00 Uhr
FH Vorarlberg, Raum W2 11/12

weitere Informationen:
http://www.fhv.at/bibliothek/fhv-galerie
Einladungskarte zur Ausstellung [PDF]

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 15.03.2016 - 11.06.2016

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Inspiriert von dem Foto Black Sun, das der amerikanische Fotograf Minor White vor einem halben Jahrhundert machte, der dabei die
Technik der Solarisation anwandte und die Sonne so extrem überbelichtete, dass sie auf dem Bild schwarz erschien, schuf Schink eine
Bilderfolge, bei der er die Belichtung auf eine Stunde ausdehnte.
Vor dem Hintergrund von Landschaften aus unterschiedlichen Gegenden der Welt erscheint die einstündige Sonnenbahn als ein unrealistisch und fremdartig wirkender dunkler Streifen in einem – bedingt durch Jahreszeit und Breitengrad – entsprechend veränderten Neigungswinkel, wobei das Gegenlicht die Unwirklichkeit der Bilder noch verstärkt. Den Künstler interessiert die Beziehung von Bewegungslosigkeit und Veränderung beziehungsweise die Wirkung der auf diese Weise „angehaltenen Zeit“.

Biografie
Hans-Christian Schink studierte von 1986 bis 1991 Fotografie an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Joachim Jansong.
Von 1991 bis 1993 war er in Leipzig Meisterschüler an der Hochschule. In den folgenden Jahren bekam er mehrere Arbeitsstipendien, unter
anderem 1997 von der Stiftung Kulturfonds für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf und 2013 ein Projektstipendium der Stiftung Kunstfonds.

2002 „artist in residence“ im Künstlerhaus Villa Aurora, Los Angeles
2012 Stipendiat der Villa Kamogawa, Kyoto
2014 Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom

Er erhielt mehrere Preise, so zum Beispiel 2004 den Deutschen Fotobuchpreis in der Kategorie Fotobildbände für sein Buch „Verkehrsprojekte“ und 2008 den internationalen REAL Photography Award für seine Serie „1h“.

Hans-Christian Schink lebt in Berlin.

Vortrag des Künstlers mit anschließender Eröffnung der Ausstellung
15. März 2016, 19.00 Uhr
FH Vorarlberg, Raum W2 11/12

weitere Informationen:
http://www.fhv.at/veranstaltungen/fhv-galerie-1-2016
Einladungskarte zur Ausstellung [PDF]

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 10.12.2015 - 04.03.2016

Michael Schäfer

Die Fotografie scheint alt geworden zu sein. In der uns heute erdrückenden Flut von Medienbildern, die über uns hinwegrauscht und noch mit lautem Getöse Ton und Text über die zumeist schon bewegten Bilder auskippt, erscheint das stille Bild geradezu anachronistisch.
Fast sentimental sind wir gestimmt, es als authentisches Dokument einer Vergangenheit zu interpretieren, eine Bildrealität, die uns heute offenbar abhanden gekommen ist. Früher, es ist noch nicht lange her, stand das Bild noch für die Wirklichkeit. „So ist es! So war es!“, sprach es zu uns. Spätestens seit der Digitalisierung der Bilderwelt, dem ungeheuerlichen Anwachsen des Bilderberges und dem Wissen um die damit einhergehenden technischen-manipulativen Möglichkeiten des Digitalen bröckelt der Glaube an die Authentizität des Bildes immer mehr.
Michael Schäfers künstlerisch-subversive Bildstrategien spielen geschickt mit dieser Verunsicherung. Bekannte stereotype und kollektive Bildmuster des medialen Zeitalters werden von ihm dramatisch überhöht dargestellt, um damit den manipulativen Gebrauch der darin versteckten Codes offen zu legen.
Gleichzeitig thematisieren Schäfers bildliche Umformulierungen das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft in einem medial geprägten Umfeld. Sein Ausgangsmaterial sind Pressebilder, die er bearbeitet oder nachstellt, in die er visuelle wie inhaltliche Brüche einfügt, welche die ursprünglichen Aussagen verändern. Aus Repräsentanten werden Individuen, die mit ihren medialen Rollenbildern kollidieren: Wir sehen posierende Anzugmenschen vor poppigen Hintergründen, Laufsteg-Models mit Kindergesichtern, wichtige Redner mit schlechten
Gebissen, gestresste Politikerinnen und Politiker mit ungewöhnlich persönlichen Bildlegenden, …
Hierzu bedient sich Michael Schäfer der Mittel der Inszenierung, der Re-Inszenierung, der Montage, der Collage. Das Statische seiner Bilder, die bewusst durchschaubar gehaltenen
Bildmanipulationen, die hart und radikal gewählten Ausschnitte zielen darauf ab, uns die suggestive Kraft der medialen Inszenierungen vor Augen zu führen. Er konstruiert dabei einen Bild- und Textraum, der sich zwar der täglichen Medienbilder und Textformeln bedient
und uns von dort abholt, doch am Ende finden wir uns in seinem Theater der Welt wieder. Was ist denn noch authentisch, wenn wir uns beständig in einer Welt aus codierten und manipulierten und manipulierenden Bilder bewegen? Welche Orientierung bleibt? Die Welt ist ein Theater. Alles Bühne, alles Schein.
Michael Schäfers Bilder sind wahr und falsch zugleich. Das ist ihre Stärke, ihr Potenzial, das es zu entdecken gilt.

Michael Schäfer (*1964 in Sigmaringen) studierte in Dortmund,
Vancouver und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig,
an der er auch künstlerische Fotografie lehrte. Er lebt in Berlin und
hat Lehraufträge an der Hartford Art School in Connecticut, USA und
an der UdK Berlin.

Einzelausstellungen (Auswahl)
2014 Kunstverein Konstanz
2013 Stadthaus Ulm
2011 Zephyr, Raum für Fotografie, Mannheim
2011 Galerie Hübner, Frankfurt am Main
2009 Galerie Hübner, Frankfurt am Main
2007 Galerie AMERIKA, Berlin
2004 Otto Nagel Galerie, Berlin
2002 Kunstverein Leipzig

Publikationen
2011 „Vorbilder“, Künstlerbuch, Verlag Fotohof edition
2002 „Segmente“, Kunstverein Leipzig

10. Dezember 2015
19.00 Uhr, Raum W2 11/12
Vortrag von Michael Schäfer mit anschließender Eröffnung der Ausstellung

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 10.03.2015 - 16.10.2015

elmar-mauch

„Auf einer niedrigschwelligen Ebene sind wir ja täglich mit medialen Bildern konfrontiert und durch diese Prozesse einigermaßen geübt als auch abgestumpft. Mir geht es aber um eine komplexere, tiefergehende und bewusste Auseinandersetzung mit Bildern. Den Umgang und das Verstehen von Bildern kann man üben, jedoch verlangt es Empathie und ist ein langer, nie abgeschlossener Prozess. Das macht Reiz und Problematik aus. Mir scheint es wichtig, genau diese Lücke zwischen den Disziplinen zu überwinden und Einflüsse und Gedanken aus anderen Bereichen an sich heran zu lassen. Denn auch ich will begreifen, was und wieso Bilder auf ihre ganz eigene Art Wirkung entfalten, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Deshalb arbeite ich mit Bildern über Bilder.“

Aus dem Interview „Nachdenken über Fotografie“ von Thomas Leuner mit Elmar
Mauch, erschienen auf fotokritik.de (http://www.fotokritik.de/artikel_133.html)

Elmar Mauch ist als Bildforscher und Künstler in unterschiedlichen praktischen Arbeitsfeldern tätig. Schwerpunkte sind einerseits fotografische Arbeiten zur Naturwahrnehmung sowie andererseits Buchkonzepte, phänomenologische Bildessays und Bildmontagen, die aus gefundenem Material generiert werden.

Inhalte seiner theoretischen Auseinandersetzung sind neben lebensphilosophischen Themen erweiterte Fotografie, Fragestellungen zu Bildrhetoriken und visueller Kultur sowie die Schnittstelle zwischen Fotografie und Film.
Die vielfältigen Fragestellungen zur Verbindung von Fotografie, Kunst und dem Leben standen im Mittelpunkt seiner langjährigen Lehrtätigkeit an verschiedenen Kunsthochschulen Deutschlands und der Schweiz.
Aus all diesen Erkenntnissen heraus erfolgte 2011 die Gründung des Instituts für künstlerische Bildforschung, das sich die Analyse und Sichtbarmachung von Wirkmechanismen fotografischer Bilder zur Aufgabe gemacht hat. Aus dieser künstlerischen Bildforschung heraus sind verschiedene Bilderhefte und Künstlerbücher entstanden, zuletzt „Trauriges Jubiläum“, ein Buch über das Phänomen Krieg.

„Was wir in Elmar Mauchs Ausstellungen und Künstlerbüchern sehen können, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus seiner umfänglichen langjährigen behutsamen wie beharrlichen Bildarbeit, die, wie er schön formuliert, sich einer ‚Geschichtsschreibung von unten‘ verschreibt und gewissermaßen eine bereits bestehende fortschreibt bzw. an diese anknüpft. Denn der Bildarbeiter ist eben auch ein Bildbearbeiter. Elmar Mauch belässt die Bilder keineswegs in der Gestalt, in der er sie vorfindet, sondern greift in sie ein, um das, was sie transportieren, aufzugreifen und wieder in Umlauf zu bringen.“

Aus: Stiegler, Bernd (2014): „Dekalog für künstlerische Bildforscher. Elmar Mauchs Arbeit am Bild.“ In: Mauch, Elmar: Trauriges Jubiläum. Ausstellungskatalog Stadtmuseum Tübingen.

Einzelausstellungen (Auswahl)
2014 Trauriges Jubiläum, Stadtmuseum Tübingen
2012 Natur begreifen, Städtische Galerie im Kornhaus, Ulm
2010 Denken in Bildern, Projektraum Fotografie, Dortmund
2009 Dr. Mauch, Obi-Wan und die Anderen, Galerie Lutz Rohs, Düren
2008 Dr. Mauch – jetzt auch in Farbe, A.C. Kupper_Modern, Zürich

Publikationen (Auswahl)
2015 „Es ist alles so nah“, Verlag der Buchhandlung Walther König
2009 „Die Bewohner“, Edition Patrick Frey

www.ikb-bildforschung.de
www.elmarmauch.de

10. März 2015
19.00 Uhr, Raum W2 11/12
Vortrag des Bildforschers und Künstlers mit anschließender Eröffnung der Ausstellung

weitere Informationen:
Einladungskarte zur Ausstellung (PDF)
FHV Galerie

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 26.11.2014-14.02.2015

Das professionell hergestellte Fotobuch ist immer noch die Königsklasse der Fotografie-Präsentation, und der Deutsche Fotobuchpreis ein Best-Of dieser Gattung. Anspruchsvolle Gestaltung, komplexe Inhalte und produktionstechnisch herausragende Buchobjekte bieten Augenweiden und Anregungen in den Kategorien Lehrbuch, Historie, Coffe-Table-Book und Künstlerischer Bildband. Der Fotograf und Autor Andreas Langen, seit Jahren Mitglied der Jury, präsentiert die Preisträger des Jahrgangs 2014 in Wort und Bild.

Vortrag von Andreas Langen
Mittwoch, 26.11.2014 19:00 — 20:30
FH Vorarlberg, Hochschulstraße 1, 6850 Dornbirn
Raum: W2 11/12

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 04.11.2014 - 17.01.2015

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Ute Behrend arbeitet in den gezeigten Fotografien mit Bildpaaren. Ihre Zusammenstellungen schaffen Assoziationsräume, die über das Einzelbild hinausweisen. Anders als die Sprache oder die Schrift greift die Fotografie als sehr direktes Mitteilungsmedium offensiv in die Vorstellungswelt ein. Durch die außergewöhnliche Form werden innere Welten visuell geöffnet und Gefühle wie zum Beispiel Rührung oder Unbehagen ausgelöst. Darauf beruht auch die große poetische Kraft ihrer Bilder. In den Arbeiten Small Silent City und Second Glance setzt sich Ute Behrend mit der Phantasie und den Vorstellungswelten von Kindern und Jugendlichen auseinander.
Die portraitierten Jungen und Mädchen schauen ernst bis versunken und scheinen ganz in ihrer Welt gefangen. Bei der Betrachtung der Fotografien entdeckt man Pappe, Beton, Efeu und Plastik, begegnet Modellautos, Fröschen und Säugetieren und wird dabei zum kindlichen Forscher und zur kindlichen Forscherin sowie zur erwachsenen Interpretin und zum erwachsenen Interpreten. Ein Satz von Erich Kästner bekommt hierbei wieder neue Relevanz: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“

Ute Behrend lebt und arbeitet in Köln

Ausstellungseröffnung am 4. November 2014 19:00 Uhr, Raum W2 11/12

weitere Informationen:
Einladungskarte zur Ausstellung (PDF)
FHV Galerie

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 11.03-21.06.2014

„Als Kind hatte ich die Vorstellung, dass ich eines Tages an einen Ort komme, an dem ich alles erfahren werde, einen Ort, an dem sich alles klärt, alle Fragen, Rätsel und Probleme. Einen Ort, an dem sich herausstellt, was es mit diesem Leben auf sich hat, was dieses Leben überhaupt soll, wozu ich auf der Welt bin und warum was geschieht.“, schreibt der Schriftsteller David Wagner in „Leben“. Benno Schlichts künstlerische Arbeit weiß um diesen utopischen Ort. Sie kreist stets genau darum: den Ort, an dem wir die Antworten finden. In seinen Fotografien (und Zeichnungen und Skulpturen) befragt Benno Schlicht die Welt um und in sich nach der „großen Antwort“ und weiß dabei auch, dass wir sie nicht erfahren werden. Der Tag, an dem wir alles verstehen, wird nicht kommen. Was ist das Leben? Was ist die Liebe? Der Tod? Wer sind wir? Was ist die Zeit? Warum vergeht sie und lässt uns zurück? Die Fotografie scheint wie kein anderes Medium geeignet, die Welt objektiv abzubilden. Wir erkennen die Dinge wieder, wie sie wirklich zu sein scheinen. Ist damit schon etwas gewonnen? Diesen Bereich des scheinbar Objektiven verlässt Benno Schlicht in seinen Fotografien ohne Trick und Verfremdung – und ohne Verzögerung – durch eine poetische Verschiebung. Traumwandlerisch nimmt er uns an der Hand und zieht uns über die Schwelle des Sicht- und Erkennbaren hinweg in den Raum des Imaginären. Seine Bilder sind so mit der Intensität und visuellen Kraft von Traumbildern vergleichbar, in denen die Dinge, die wir sehen, verstörend mehr und anderes bedeuten als im Wachen. Traumbilder, die unsere unausgesprochenen Ängste, Begierden und Sehnsüchte spiegeln. Unser Glück und unsere quälenden Fragen. Die aus einem ungreifbaren Wissen in uns selbst entstehen und uns berühren, deren Verständnis sich uns dennoch entzieht. „Ich bin überzeugt, die Poesie ist einer der wesentlichen Schlüssel zu unserem Sein“, sagt Benno Schlicht. „Indem wir poetisch werden, verlassen wir den zumeist wenig hilfreichen Bereich des Mess- und Wiegbaren, des Beweises, wo es doch nichts zu beweisen gibt. Und indem wir auf diese Weise umstrukturieren, nähern wir uns dem tatsächlichen, dem emotionalen Gehalt unserer – auch potentiellen – Erfahrungen, öffnen Türen zu unermesslichen Räumen.“ Benno Schlicht lebt mit seiner Tochter als freischaffender Künstler in Essen.

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 27. November 2013 - 24. Jänner 2014

Er gehört zur Königsklasse aller Publikationsarten von Fotografie: der Bildband.

Nirgends sonst ist Fotografie so hochwertig, komplex und leicht zugänglich wie in
einem guten Fotobuch.
Einige der besten internationalen Neuheiten, die im letzten Jahr erschienen sind,
werden beim Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet und von 27. November 2013
bis 24. Jänner 2014 in der FHV Galerie gezeigt.
Der Stuttgarter Fotograf und Journalist Andreas Langen, Mitglied der Fotobuchpreis–
Jury, erläutert die Konzepte und Qualitäten der diesjährigen Preisträgerinnen
und Preisträger. Diese Einführung eröffnet die Ausstellung in der FHV Bibliothek,
in der alle prämierten Titel dem Publikum frei zugänglich sind – zum Blättern, Lesen
und Genießen.
Einladung zum Vortrag am Mittwoch, 27. November 2013, 19:00 Uhr, Raum W2 11/12
mit anschließender Eröffnung der Ausstellung in der FHV Bibliothek.

weitere Informationen:
www.deutscher-fotobuchpreis.de/

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 5. November 2013 - 19. Jänner 2014

Andreas Zimmermann zeigt in seiner Ausstellung in der FHV Galerie Fotoarbeiten, in denen er sich mit dem Kinderspielzeug LEGO, einem System zur Imitation von Realität, auseinandersetzt. In früheren Arbeiten ging es dem Künstler um die Darstellung von Bauwerken und Stadtansichten. Ihnen dienten vielfach Fotoaufnahmen realer Bauwerke als Vorlage, welche Zimmermann mit Hilfe von LEGO-Bausteinen nachbildete. Der Fotograf beließ es dabei aber nicht bei einer bloßen Rekonstruktion. Seine Ansichten sind mehr als bloße architektonische Modelle. In seinem Umgang mit dem System demonstriert er vielmehr, dass eine formale Regel automatisch eine ästhetische Struktur hervorbringt. Erforderlich ist nur, dass man sie systematisch befolgt.
Während in der Vergangenheit das Gegenständliche im Vordergrund stand und die digitalen Konstruktionsergebnisse erst beim näheren Betrachten ihre abstrakten Strukturen offenbarten, verkehrt Zimmermann in seinen neuen Arbeiten diese Regel ins Gegenteil. Die Fotografien geben sich zunächst als abstrakte Konstruktionsergebnisse zu erkennen, bei denen systematische Anordnungen dominieren. Dem Betrachter und der Betrachterin zeigt sich eine rhythmische Struktur, die sich perspektivisch bis ins Unendliche zu erstrecken scheint. Erst durch das visuelle Sezieren der Bildelemente treten Perspektiven zutage, die sich mit Hilfe von Erinnerungsprozessen als architektonische Gebilde entschlüsseln lassen. Der Entstehungsprozess seiner Bildkonstruktionen ist dabei unverändert geblieben. Zimmermann baut auch für seine neuen Arbeiten mit Hilfe von LEGOSteinen Modelle von Bauwerken, die er nach und nach fotografisch ablichtet. Bis zu 200 Einzelaufnahmen werden von ihm am Computer zusammengesetzt, bis eine Struktur entsteht, die entweder in ihrer Gesamtheit oder aufgrund der Summe ihrer Einzelteile an Stadtlandschaften oder Hochhäuser erinnert. Das für LEGO typische Baukastensystem findet in der computergestützten Bearbeitung durch Zimmermann seine logische Weiterführung.

Andreas Zimmermann lebt und arbeitet in Düsseldorf.

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 23. April -12. Juli 2013


Blumen stehen für Schönheit und Vollkommenheit, versinnbildlichen aber ebenso Vergänglichkeit und Tod. Seit Beginn der Fotografie wurden blühende Pflanzen in ihrer vergänglichen Schönheit abgelichtet. Karl Blossfeldt, Irving Penn, Edward Weston, Robert Mapplethorpe kommen uns in den Sinn, wenn wir an fotografische Abbildungen von Blumen denken. Ornamentales, Graphisches, Abstraktes, Erotisches entdecken wir in ihren Bildern.
Annabelle Fürstenau erweitert das Spektrum der Pflanzenfotografie um eine zunächst typologisch, fast botanisch-wissenschaftlich anmutende Facette. Für ihre Fotografien bricht sie die vollkommene Schönheit unversehrter Blütenstände, zerlegt sie in ihre einzelnen Bestandteile und ordnet diese neu an. Immer gleiche Teile werden zueinander sortiert, es entstehen Anordnungen von Wiederholungen und Varianten aus dem „Zeichensatz“ je einer Pflanze.
Doch diese Ordnung besteht nur für kurze Zeit: eine falsche Bewegung während der Arbeit, ein heftiger Atemzug und aus der fragilen Ordnung entsteht Chaos. Und schon kurze Zeit nach der Aufnahme welken die Pflanzenteile und das Bild wandelt sich erneut.
Die Fotografie bewahrt das Bild der von der Künstlerin erarbeiteten temporären Ordnung und jenes der unversehrten frischen Pflanzenteile. Nur hie und da schleicht sich die Vergänglichkeit gleich einem Kommentar ins Bild: ein welkes Blatt, eine braune Stelle in der sonst makellosen Schönheit, ein Teil, das „aus der Reihe tanzt“ oder sich anders krümmt als die nebenliegenden Teile es tun.
Die Ästhetik der Bilder weist über die sachliche Ordnung des Botanischen hinaus: Sie entziehen sich in ihrer eigenartigen Schönheit der rein wissenschaftlichen Betrachtung. Im Ergebnis assoziieren die Neuordnungen der Blütenteile eine bekannt wirkende, doch unlesbare Schrift. Die Blätter scheinen mit rätselhaften Zeichen bedeckt, gleich einer unbekannten Blütenschrift. Diese verweist jedoch auf nichts als sich selbst. Ihr Geheimnis liegt an der Oberfläche. Die Lektüre erschließt Formen- und Farbreichtum jeweils einer bestimmen Blüte, eines bestimmten Blütenstandes.

Zitat Annabelle Fürstenau:
„Ich zerlege eine Blüte in ihre Teile, breche die Schönheit des Ganzen – zum Vorschein kommt die Schönheit der Fragmente. Ich sortiere immer gleiche Teile zueinander und freue mich über Formen, die in der Blüte verborgen waren und erst beim Zerlegen zum Vorschein kommen. Ich schlage alles in einem feuchten Tuch ein, um es frisch zu halten und entnehme die einzelnen Teile nach und nach, während ich sie in Zeilen sortiere. Dabei arbeite ich im Aufbau der Blüte von innen nach außen und lege entlang eines Lineals, um gerade Zeilen zu erhalten. Für jede neue Gruppe von Blütenteilen beginne ich einen neuen Absatz. Während der Arbeit muss ich sehr konzentriert und ruhig sein, sonst kommt bei filigranen Teilen das Bild durcheinander. Dann beginne ich von vorn. Wenn alle Teile ihren Platz haben, belichte ich ein Polaroid. Manchmal korrigiere ich danach noch etwas. Dann belichte ich ein Negativ. Wenn es kein gutes Bild geworden ist, belichte ich kein Negativ. Während ich nach Hause gehe, beginnen die Blütenteile zu trocknen, meine Ordnung löst sich auf. Wenn ich wieder komme, kehre ich die trockenen Teile zusammen und beginne ein neues Bild.“

Weiterführende Informationen:
http://annabellefuerstenau.de/

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 21. November 2012 bis 18. Jänner 2013

Spielerisch komponiert Axel Beyer mit digitalen Möglichkeiten unserer Zeit neue Bildräume, aus denen kein Weg mehr herausführt. Bebracuriosa zeigt kleinbürgerliche Architektur und Interieurs, die sich durchdringen und einen eigenen, skurrilen und komischen Kosmos bilden. Die Fotografien von Bebra, einer Kleinstadt an der ehemals innerdeutschen Grenze, sprich Sinnbild der Provinz, mutieren so zum absurden Modellentwurf einer provinziellen Welt. Beim Dummy-Award des Photobookfestivals in Kassel 2010 wurde das Projekt mit dem 3. Preis ausgezeichnet und ist inzwischen bei Seltmann & Söhne als Buch verlegt worden.

„In der Arbeit Bebracuriosa von Axel Beyer ist nichts, wie man es erwartet. Wie in einer Zeichnung von M.C. Escher durchwandert der Betrachter die Fotografien auf der Suche nach Anfang und Ende, nach Innen und Außen, nach dem Fehler, der sich im Bild versteckt hat. Ein Schlafzimmerschrank entpuppt sich als Mehrfamilienhaus, Häuserreihen stehen vor Raufasertapeten, ein Garten mit Hollywoodschaukel und den obligatorischen Gartenzwergen wird durch eine Stehlampe und die Holzdecke ins heimische Wohnzimmer versetzt. Erste Eindrücke und Assoziationen des Betrachters werden sogleich wieder gebrochen und ad absurdum geführt.“

Sophia Greiff

Weiterführende Informationen:
http://www.axelbeyer.de

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 3. Oktober bis 9. November 2012

Norbert Enker gehört zu den profiliertesten deutschen Fotodokumentaristen. Nahezu alle wichtigen deutschsprachigen Magazine arbeiten mit ihm zusammen und schätzen seinen Blick. Seit nun bereits über drei Jahrzehnten sind seine Bilder in den wichtigen Bildmagazinen zu sehen. Mit seiner umfassenden Fotoarbeit über Albanien, ein damals noch recht unbekanntes Land mitten in Europa, hat er sein Studium 1988 an der Universität Essen bei Prof. Angela Neuke im Bereich Bildjournalismus abgeschlossen. Es folgten dann noch weitere Reisen bis in das Jahr 1996. Die verhaltene Farbigkeit der Bilder sowie Norbert Enkers subtile Art der Annäherung an dieses fremde Land und seine Menschen geben der Arbeit eine unverwechselbare Handschrift. Diese teils sehr formal gehaltenen Bilder sind auch heute, zwanzig Jahre nach ihrem Entstehen, noch immer modern und zeitlos in ihrer Ästhetik und zugleich ein wichtiges Zeitdokument für den damaligen politischen und sozialen Umbruch.

„Norbert Enker hat mir seine Arbeit über Albanien gezeigt und ich war davon beeindruckt. Diese Aufnahmen führen uns in den derzeitigen Zustand eines uns weitgehend unbekannten Landes ein, das vom Westen über lange Zeit völlig abgeschottet war. Natürlich macht er auf die Schattenseiten und Missstände aufmerksam, er blickt jedoch nicht aus der Position der Überlegenheit unserer westlichen Zivilisation voyeuristisch auf das wirtschaftlich und politisch in schwierigen Verhältnissen existierende Land herab, sondern es ist eher die Position des ‘concerned photographer’, der mit menschlicher Nähe und großem Einfühlungsvermögen vorgeht. Seine Arbeit hebt sich … vor allem durch ihren äußerst subtilen und poetischen Charakter ab.“

Prof. Peter Weiermaier

 

Weiterführende Informationen:
http://norbert-enker.de

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 9. Mai bis 22. Juni 2012

Prof. Knut Wolfgang Maron steht in der Tradition der Subjektiven Fotografie. Er hat diesen fotografischen Ansatz von Otto Steinert aus den 50er Jahren zusammen mit Janet Zeugner und und Marc Grümmert erneuert und eine Bewegung unter dem Titel „Neue Subjektive Fotografie“ gegründet. 2006 erschien die programmatische Publikation „Absage an die Wirklichkeit“. In dieser bekennt sich eine Gruppe von Fotografen weg von einer dokumentarischen und Realität vermittelnden, hin zu einer metaphorischen, visionären und poetischen, subjektiven Auffassung zeitgenössischer Fotografie. 2011 zeigte Maron zum 10-jährigen Jubiläum der Ausstellungen im Baumhaus der Hansestadt Wismar in der Ausstellung „Neue Subjektivität“ aktuelle Positionen dieser Bewegung. Ein gleichnamiges Buch ist dazu erschienen. Mit seiner hier gezeigten und bereits in den 1970er Jahren begonnenen Arbeit mit dem Titel „Bilder über Landschaften“ gehört er zu den Wegbereitern der modernen Farbfotografie in Deutschland. Knut Wolfgang Maron versucht hier, die fotografierte Realität Werkstoff und nicht Fluchtpunkt seiner bildnerischen Arbeit sein zu lassen.

„Der Fotograf Knut Maron widersetzt sich der Verwahrlosung des Visuellen. Seine Bilder sind nicht Abbilder einer allzu vertrauten Realität, vielmehr werden sie zu Sinnbildern, sie erfordern die Wahrnehmungsschärfe der Sinne. Genaues Sehen lässt erst erkennen, in welchem Zusammenhang die Dinge stehen. Dazu muss sich der Betrachter mit seinen Erinnerungen und Phantasien in den Bildraum einbringen. Nur so vermag er die verschlüsselten Welten zu entdecken.“

Prof. Dr. Joachim Skerl
Weiterführende Informationen:

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 7. März bis 27. April 2012

In all seinen Projekten lotet der Fotokünstler Kai-Olaf Hesse mit den Mitteln der künstlerischdokumentarischen Bildsprache Felder sozialer und historischer Landschaften aus.
Auch seine hier vorgestellte Arbeit „Depot_ Bilder“ beschäftigt sich wieder mit einer solch komplexen Schnittstellenproblematik. Das Depot steht für einen Grenzraum, der zwischen Vergangenheit und Zukunft vermitteln soll, einen Speicher, in dem profane Gegenstände, Kunststücke, Zeitgeschichte temporär weggeschlossen und aufbewahrt werden, einen Ort des Sammelns und Konservierens. Nur wenige wissen um die Inhalte des Depots, dessen Ordnung, dessen Systematik. Deshalb birgt das Depot auch immer ein Geheimnis.
Welche Dinge, Zeichen, Objekte werden dazu dienen, uns später einmal Zugriff und Einblick auf das Gewesene zu geben? Wie, wann und wer wird darüber entscheiden, was in das Depot kommt und was das Depot dann wieder verlässt?

„Das Sammeln selbst folgt erworbenen ontologischen Mustern und ist, da es unsere Verankerung in der Geschichte absichert, von allgemeiner Bedeutung, in seiner Konkretheit politisch determiniert, doch es vollzieht sich weitgehend im Verborgenen. Es geht in der vorliegenden Arbeit auch um den Unterschied von öffentlich Sichtbarem, der musealen Inszenierung von Erinnerungszusammenhängen und dem nicht Sichtbaren, Verschlossenen des Wissens und Gedächtnisses, das sich in den aufbewahrten Dingen manifestiert.“

Andreas Krase

weiterführende Informationen:
http://www.berlinphotoworkshops.de/faculty/kai_dt.html

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 23. November 2011 bis 13. Januar 2012

Zoltan Jokays Arbeit „Der Käfig“ wird an der FHV Galerie erstmalig gezeigt. Jokay war über Jahre als Quartierbetreuer in einer Sozialbausiedlung und als Demenzbetreuer in einem Altersheim mit menschlichem Leid konfrontiert. An beiden Orten fotografierte er Menschen, denen er als Betreuer ungewöhnlich nahe kam, ohne dabei die Distanz zu verlieren. Jokay versteht seine Bilder nicht als sozialkritische Dokumentation, sondern als eine Beschreibung der conditio humana.
Dabei versucht er über die Darstellung der abgebildeten Personen einen innerlich gefühlten Zustand sichtbar zu machen. Dieser Blick auf das Gefühl lebt nicht von der Oberfläche der Bilder. Weder Licht, Form noch die sozialen Verweise seiner Fotografien helfen weiter, die Qualität und die Intensität seiner Fotografien zu verstehen. Es ist vielmehr die Intimität des Moments, die uns bei der Betrachtung in den Bann zieht.

Zoltan Jokay lebt und arbeitet in München. Seit zwei Jahrzehnten gehört er zu den renommiertesten deutschen Porträtfotografen. Seine Arbeiten wurden vielfach international ausgezeichnet, u.a. erhielt er das Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (1990), den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegen- wartsfotografie (1995) und den Förderpreis der Stadt München (2000).

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 5. Oktober bis 11. November 2011

Die Porträtserie Inbetweens beschäftigt sich mit der intensiven und spannungsvollen Zwischenwelt von Jugendlichen. Bei Jugendlichen entwickeln sich Körper, Psyche und Verstand in Abhängigkeit von der eigenen Erfahrung und der Umwelt, und sie tun dies unterschiedlich schnell. Während Jugendliche körperlich und intellektuell Erwachsenen ähnlich, manchmal sogar überlegen sein können, hinken die Psyche und die Selbsteinschätzung oft hinterher. Andererseits aber täuschen kindliches Aussehen und Gebärden und verdecken die psychische und intellektuelle Reife einer Person. Diesem Wechselspiel zwischen Kind und Erwachsenem widmet sich die Fotografin in ihrer Arbeit.

Raphaela Seiferts seriell konzipierte Arbeit ist im Studio entstanden und zeigt die isolierten Protagonisten vor dem neutralen und weißen Hintergrund des Studios. Dadurch wird die Konzentration des Betrachters ausschließlich auf das Aussehen, die Gestik und die Mimik der dargestellten Person gelenkt. Ein von den Jugendlichen selbst gewählter, im Bild inszenierter Gegenstand visualisiert symbolisch das Gleiten der Jugendlichen von einem Zeit- und Bewusstseinszustand in einen anderen und schafft zugleich eine Verbindung und einen Vergleich zwischen den einzelnen Personen.

Raphaela Seifert studierte an der FH Vorarlberg. 2009 entstand die Arbeit „Inbetweens“ als Abschlussarbeit im Bachelor-Studium Mediengestaltung. Seither arbeitet sie freiberuflich als Fotografin und Mediengestalterin.

 

Weiterführende Informationen:
http://www.raphaelaseifert.com

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 4. Mai bis 17. Juni 2011

1988 begann Andreas Mader eher zufällig, seinen Freundeskreis zu fotografieren. Bald systematisierte
er jedoch seine Aufnahmestrategie und schuf über viele Jahre hinweg eine Serie unprätentiöser, aber gleichzeitig sehr intimer Porträts seines engsten Umfeldes. In unterschiedlichen Zeitabständen nahm er immer wieder die gleichen Personen auf. So entstand ein zeitliches Kontinuum mit all seinen Brüchen, Alltäglichkeiten, Überraschungen und Merkwürdigkeiten.
Andreas Maders Kamerablick ist streng, kontrolliert und ganz und gar unsentimental. Die Inszenierung der Aufnahmesituation mit der Großbildkamera lässt dabei den Personen genügend Raum, etwas von sich selbst zu erzählen. „Ich mag die Umständlichkeit der Großbildkamera; man braucht ein Stativ, schleppt eine Menge Zeug mit sich herum. Jede Änderung des Standpunktes ist eine Prozedur. Man muss sehr entschieden sein, macht nicht viele Belichtungen. Wenn es gelingt, dann ist es, als seien in einem guten Bild die vielen enthalten, die man nicht machen konnte.“

Andreas Mader lebt in Zell bei Winterthur.
Neben seinem hier vorgestellten „Lebensprojekt“ arbeitet er als freischaffender Fotograf und unterrichtet Fotografie an verschiedenen Hochschulen.

FHV Galerie, Dornbirn, AT, 9. März bis 15. April 2011

Über einen Zeitraum von elf Jahren fotografierte Eva Bertram ihre Tochter Herveva. Die Aufnahmen zeigen nicht nur erstaunliche theatralische Wandlungen des Mädchens von ihrer Geburt an bis heute, sie reflektieren auch das besondere Verhältnis von Fotografin und Modell.
Eva Bertrams Fotos wirken ruhig, konzentriert und unaufgeregt. Beiläufige Unschärfen, eigene Farben und Flächen lenken den Blick immer wieder auf das Unbekannte im eigenen Kind. Die Komposition bildet sich aus dem Zusammenspiel der perfekten Setzung von Form und Farbe. Im Hintergrund sichtbare Räume bilden den Bezugsrahmen der kindlichen Welt und zeigen das Kind als sozial geprägtes Wesen.

Eva Bertram arbeitet als interdisziplinäre Fotografin und Filmemacherin. Sie lehrt an der Neuen Schule für Fotografie in Berlin. Für ihre Arbeit erhielt die Künstlerin 2006 das Stipendium für zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung