Römermuseum Mengen-Ennetach

Angesichts der täglichen Reiz- und Informationsüberflutung steht ein zeitgemäßes Museum im Wettbewerb mit vielen anderen Kulturangeboten. Zu den klassischen Aufgaben des Sammelns, Erforschens, Bewahrens und Ausstellens kommen neue Anforderungen, die eng verwoben sind mit der Steigerung der Attraktivität einer auch vom Tourismus geprägten Region.

Unter diesen Vorzeichen waren die Planer bemüht, dem Besucher nicht nur eine Bildungserfahrung, sondern auch ein Freizeiterlebnis zu vermitteln, das die verschiedensten Alters und Interessengruppen anspricht.

Es werden verschiedene Mitmachelemente angeboten, die einen thematischen Bogen zu den musealen Inhalten schlagen. Das Thema „Mode“ kann durch An- und Ausprobieren von authentischen Kleidungsstücken hautnah erfahren werden. Der Besucher wird zu Spielen angeregt, die sich bereits in römischer Zeit großer Popularität erfreuten. Das Konzept des Museums zielt darauf ab, alle Sinne anzusprechen. Sphärisch wirkende Raumklänge begleiten die Reise in die Vergangenheit. An einzelnen Stationen können mittels moderner Audiotechnik Hörspiele abgerufen werden, die auf unterhaltsame Weise das Alltagsgeschehen in der römischen Provinz illustrieren.

Am Anfang der Dauerausstellung steht symbolisch für die römische Okkupation die originalgetreue Nachbildung eines römischen Marschgepäcks, das der Besucher sich auf die Schultern legen kann, um so zu erfahren, wie schwer es war, Soldat in der römischen Armee zu sein.
Der Stand der Wissenschaft befindet sich im ständigen Wandel. Der Ort, an dem sich das Museum befindet, ist als Militärstandort und als Siedlungsplatz erst in Grundzügen erforscht. Daher wurde ein reversibles, selbstleuchtendes Vitrinensystem entwickelt, das um weitere Erkenntnisse ebenso, wie um mögliche neue Funde ergänzt werden kann. Die Informationen sind so angeordnet, dass sich der Besucher entweder einen knappen Überblick verschaffen oder sich in die Themen vertiefend einlesen kann. Originalzitate veranschaulichen die Gedankenwelt der Menschen in römischer Zeit.
Eine einfache, ursprünglich für die Plakatwerbung entwickelte Technik ermöglicht einen Zoom von der Gesamtansicht des römischen Reiches auf die nähere Umgebung Ennetachs in der römischen Kaiserzeit.

Das Obergeschoss ist dem wichtigen Siedlungsplatz Ennetacher Berg gewidmet. Hier werden die Fundstücke aus den verschiedenen Grabungskampagnen ausgestellt. Die Hintergründe der Besiedlung der Region an der Oberen Donau werden analog durch Blätterbücher aber auch mit Hilfe moderner Videotechnik digital vermittelt. Ein topografisches Modell der näheren Umgebung dient dabei als Projektionsfläche. Auf Knopfdruck kommt man so von der Steinzeit über die Kelten zu den Römern und ins Mittelalter. Ein verglaster Balkon verweist auf den Ennetacher Berg, den Ort, an dem sich das Kastell befunden hat. Damit endet der Rundgang, nicht aber das Angebot an Informationen: Wer möchte kann vom Museumsvorplatz aus den Archäologischen Wanderweg erkunden, der auf den Berg führt. Wie stark unser Bild von den Römern durch das Kino geprägt ist, zeigt eine Videosequenz auf verschiedenen Monitoren.

Das Römermuseum Mengen-Ennetach ist durch seine Architektur, die eine moderne Stahl-Glas-Fassade mit einem historischen Gebäudeteil im lokalen Stil verbindet, selbst eine Art Ausstellungsstück.
Entsprechend seiner Lage an einer touristischen Hauptverkehrsader, dem Donauradwanderweg, hat der Ort den Charakter zurückerhalten, den er schon in römischer Zeit besaß: hier ist wieder ein Platz entstanden, der den Reisenden zur Rast einlädt und für den Ortsteil Ennetach zum neuen Dorfkern geworden ist.